Das im Jahr 2011 erschienene Buch ist nicht mehr erhältlich,
da oft Anfragen deswegen gestellt werden, habe ich es
auf meiner Homepage ins Netz gestellt.
Nicht ganz komform mit dem Buch, ich habe die Reihenfolge der Geschichten etwas verändert.
Das Buch hat 8 Teile
+ 2 Teile mit alten Bildern
Außerdem möchte ich klarstellen, ich alleine habe dieses Buch geschrieben!
Autorin Edith Kudlovic
Geboren 1950, aufgewachsen in Thalham und St.Georgen i.A.,
Beruf Drogistin,
1987 als Autodidaktin zu malen begonnen,
vorwiegend in Aquarell.
2003 erschien das Buch "Lagerkind" -
Aufwachsen in Lager Thalham" im Eigenverlag.
Malerei trat in den Hintergrund, Fotografieren wurde zur Leidenschaft.
2008 kam die Idee zum Attergaubuch.
3 Jahre habe ich dafür gebraucht.
Edith Kudlovic lebt mit ihrer Familie im Attergau.
https://www.edith-kudlovic.at
Wenn Sie es lesen möchten, bitte bis zum Schluss hinunter scrollen.
Dann folgt in Blau Attergaubuch, drücken
oder zurück auf Start - Attergau-Buch - dann jeweils 1, 2, 3 und so weiter..
ATTERGAU-BUCH, Erster Teil
EINLEITUNG
APOTHEKE TOD
LUKAS LIESL (INNERLOHINGER ELISABETH)
GRUBER - MÜLLER, THALHAM
HAIDINGER, SCHNEIDER, THERN
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EINLEITUNG
Wie erwähnt,habe ich die Reihenfolge der Geschichten im Gegensatz zum Buch geändert.
Dafür wurden einige neue Details, Bemerkungen, sowie Bilder dazugefügt.
Die Idee zu diesem Buch entstand zuerst durch viele schöne und alte Ansichtskarten aus dem Attergau, die bisher unbeachtet in Mappen lagen, statt betrachtet zu werden.
Dann kam die Idee dazu, betagtere Bewohner nach früheren Zeiten zu befragen. Dabei interessierte mich insbesondere wie und wo sie vor 50 oder mehr Jahren lebten und arbeiteten, ihre Tage verbrachten.
Viele St. Georgener, Strasser oder Berger ließen mich an ihren sehr interessanten Geschichten teilhaben, zeigten mir bereitwillig ihre alten Fotoalben.
Man findet in den Geschichten Unbedeutendes, Menschliches, Berührendes und Trauriges, aber auch Episoden zum Schmunzeln. Großartige Fotos kamen zum Vorschein, wunderbare, persönliche Zeitdokumente, die ich in diesem Buch wiedergeben darf.
In der heutigen schnelllebigen Zeit tut es gut, von beschaulichen aber auch sehr harten Jahren unserer Mitbürger zu erfahren.
Monatelang, nein, Jahrelang vertiefte ich mich in die Geschichte unserer Heimat, studierte, las, ergründete, schrieb, verwarf und versuchte aus allen meinen Recherchen ein Buch zu machen. Dabei gab es viele Momente, in denen mir die Sache über den Kopf wuchs, ich sogar alles hinwerfen und aufgeben wollte.
Es ist jedoch zu einem guten Ende gekommen, wobei mir ein Urlaub in Irland sehr behilflich war. In diesem wagte ich mich an ein Leihauto und fuhr mit "links" rund 1000 km über die wunderschöne grüne Insel. Nachdem ich das geschafft hatte, gab es auch mit dem Buch keine unüberwindlichen Hürden mehr.
Wenn man alleine arbeitet, kann man sich in Dinge verrennen, die aber nicht umsetzbar sind. So erscheinen aus diesem Grund keine Fotos der heutigen Zeit, wie ursprünglich geplant. Auch im Allgemeinen musste ich große Abstriche machen, vieles, was ich anfänglich im Buch haben wollte, musste aus Platzmangel heraus genommen werden.
Ich habe die Geschichten jeweils so geschrieben, wie man sie mir erzählte, daher sind sie im Stil unterschiedlich.
Wieviel Wahrheitsgehalt in den Geschichten steckt, kann ich nicht sagen. Lässt man 5 Personen einen Vorgang beobachten, diesen danach
aufschreiben, bekommt man fünf unterschiedliche Geschichten, so ist das.
Herr Matern hat mir anschließend geholfen, aus meinen Vorarbeiten und inhaltlich fertigem Manuscript, ein druckbereites Buch zu machen, und einen Verlag zu finden.
Autorin Edith Kudlovic
Geboren 1950, aufgewachsen in Thalham und St.Georgen i.A.,
Beruf Drogistin,
1987 als Autodidaktin zu malen begonnen,
vorwiegend Aquarell.
2003 erschien das Buch "Lagerkind" -
Aufwachsen in Lager Thalham" im Eigenverlag.
Malerei trat in den Hintergrund, Fotografieren wurde zur Leidenschaft.
2008 kam die Idee zum Attergaubuch.
3 Jahre habe ich dafür gebraucht.
Edith Kudlovic lebt mit ihrer Familie im Attergau.
https://www.edith-kudlovic.at
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APOTHEKE TOD - St.Georgen
Damals Wirtshaus, heute Apotheke
Unzählige Geschichten könnte dieses Haus wohl erzählen, dass so viele verschiedene Bewohner und
unterschiedliche Gewerbe beherbergt hat.
Es steht an einem recht zentralem Ort, nicht weit entfernt von der Kirche, gegenüber dem Pfarramt.
Heute befindet sich darin die Schutzengel-Apotheke.
Gemäß der Chronik von St.Georgen war Kaspar Steger, Wirt und Fleischhauer, Inhaber des Hauses,
danach lebte Frau Rosenauer, ebenfalls Wirtin und zudem Krämerin, darin. Rosenauerhaus hieß es
die nächsten Jahre und gehörte Paul Landauer, der auch Wirt war.
1814 ist Ignaz Erlach als Eigentümer angegeben, in späterer Folge besaßen es die Löckherbrüder,
von denen einer der "Bauernlöckher", der andere der "Postlöckher" war.
Dann kamen die Desinger aus Gmunden und betrieben darin erneut eine Gastwirtschaft, den
Kirchenwirt.
Die Drogerie Maritsch befand sich kurze Zeit in diesem Haus, ebenso Konditor Gassner mit einer
Keksfabrik. Damals dürfte Alois Bangerl bereits der Besitzer gewesen sein.
1950 bezog Magister Hans Tod mit seiner Familie dieses Gebäude und eröffnete darin nach
Erhalt der Konzession die im Ort schon lange benötigte Apotheke.
Die zum Attersee liegenden Räume, links von der Haustüre, waren für das Geschäft vorgesehen.
Daneben befand sich seit 1939 der Gemischtwarenladen der Familie Buchstätter, die ebenfalls
in den unteren und oberen Räumen des Hauses wohnte.
Der Haupteingang war in den 50er Jahren noch in der Mitte der Frontseite, was beim letzten
Umbau verändert wurde. Der damalige Eingang in die Apotheke lag zwischen zwei Schaufenstern.
War man eingetreten, wandte man sich nach links in das Geschäft, abgetrennt davon diente der
rechte Bereich als Magazin.
In den 1960er Jahren kaufte die Familie Tod jenes Nebengebäude dazu, das an der Einfahrt in die
heutige Wildenhagerstraße, gegenüber der Bäckerei Fischer, liegt.
Einst hatte sich darin die Werkstätte von Rudolf Kafka befunden.
In diesem Gebäude etablierte die Gattin des Apothekers, Christine, eine Parfümerie.
Der schmale Bau wurde straßenseitig mit Schaufenstern und vorne einer Türe ausgestattet.
Christine Tod führte das Geschäft, außerdem hatte sie das Finanzwesen und die Buchhaltung
des gesamten Betriebes über.
Als sie im Oktober 1969 verstarb, hinterließ sie eine große Lücke im Betrieb.
Sohn Manfred Hans Tod, der 1964 als Aspirant in die Firma eingetreten war, musste diese Lücke
schließen und auch das Finanzielle übernehmen. Seine junge Frau Ingrid führte die Parfümerie weiter.
Im Jahre 1972 schloss die Familie Buchstätter ihr Geschäftslokal und zog aus dem Haus aus.
Zwei Jahre später konnte das bisher in Miete gehaltene Gebäude käuflich von Familie Tod erworben
werden.
1979 wurde es von Innen her großzügig umgebaut. Man gestaltete die ehemaligen Räume des Lebens-
mittelladens neu, wo nun die Parfümerie untergebracht wurde.
Die Apotheke blieb in denselben Räumen wie zuvor, wurde aber größer angelegt.
2008 wurde die gesamte Apotheke neuerlich komplett renoviert und die Parfümerie darin integriert.
Bei dem Umbau wurde auch das Stiegenhaus verlegt. So entstand eine sehr einladende, moderne
helle Apotheke
.
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ELISABETH INNERLOHINGER, die Lukas-Liesl
Frau Elisabeth Innerlohinger, besser bekannt als die "Lukas Liesl", erzählte von den Baumeistern
Lukas, die in St.Georgen viele wunderschöne Häuser, Brücken und andere Gebäude errichteten.
Besonders vom Sohn, bei dem sie jahrelang beschäftigt war, konnte sie einiges berichten.
Vater Johann Lukas, Baumeisterund Bürgermeister
Im Alter von sechs Jahren zog Elisabeth mit ihrer Mutter in das Haus der Baumeister Lukas,
(es lag gegenüber des heutigen kleinen "Spar", in der Attergaustraße), wo sie eine
Wohnung bekamen. Als junges Mädchen musste sie zum Landdienst ins Mühlviertel, von dem sie 1945,
kurz vor Kriegsende, wieder zurück nach St.Georgen kam.
Auf der Suche nach Arbeit, begann sie bei Hans Lukas im Büro mitzuhelfen.
Lukas Liesl, zweite von rechts
Elisabeth wohnte auch weiterhin im Haus der Baumeister, diesem Umstand hat sie wohl ihre Bezeichnung
"Lukas-Liesl" zu verdanken.
Nach dem Tod von Hans Lukas - er starb 1967-, wurde der Betrieb von Baumeister Ablinger aus St.Georgen
übernommen. Elisabeth blieb zwar zunächst, beendete aber einige Jahre später den Dienst im Baugewerbe
und arbeitete dann in anderen Betrieben.
Johan Lukas, der Vater, dürfte am Umbau des Schlosses Kogl (1903-1910) beteiligt gewesen sein.
Maßgeblich verantwortlich war Lukas bei der Errichtung der großen Brücken im Markt und beim Bau des
Armenhauses. Er war außerdem von 1900 bis 1906 Bürgermeister der Gemeinde St.Georgen.
Hans Lukas
Sein Sohn Hans Lukas studierte in Graz und stieg nach dem Studium in die Firma seines Vaters ein.
Er hatte eine besondere Art zu bauen, der wir zahlreiche sehr hübsche Häuser in unserer Gemeide
verdankten.
Im Gegensatz zu seinem Vater vertrat er einen leichten, fast verspielten Stil.
Einige wenige, der von ihm errichteten Häuser sind heute noch vorhanden, manche sogar im alten Stil
restauriert worden, viele sind leider verfallen oder abgerissen worden.
Eins dieser Gebäude, das Dr.Greil-Haus, gegenüber der Hauptschule, wurde kürzlich wieder renoviert
und ist immer noch ein bezauberndes Bauwerk.
Dr.Greil Haus
Kaum noch erkennbar ist hingegen die ursprüngliche Form des ehemaligen Peleschka-Hauses in der
Raiffeisengasse, indem sich jetzte die Innendorfer Bäckerei befindet. Dieses Gebäude wurde komplett
umgebaut.
Peleschka-Haus, Raiffeisengasse
An der Dürren Ager, gleich neben der Kottulinskybrücke, steht das Haus des Tapezierers Rieder
(heute nicht mehr dort wohnhaft), das ebenfalls von Hans Lukas erbaut wurde.
Im Kottulinskypark befindet sich noch heute die ehemalige Ateliershütte des Fotografen Voglmayr.
Er war für viele der alten Aufnahmen und Postkarten des gesamten Gebietes bekannt.
Leider schon fast verfallen ist die Häupl Villa in der Raiffeisengasse, mit Türmchen, Erkern und Holz-
balkonen Steht sie inmitten eines großen (verwilderten) Parks.
Häupl Villa, Raiffeisengasse
Zu bedauern ist auch der Abriss des entzückenden Lehrerhäuschens, hinter der ehemalige Knaben-
volksschule, heute Haus der Kultur.
Altes Lehrer Häusl
Genauso wie der Verlust des Firmengebäudes von den Gebrüder Wimroither auf den Gründen vis-a-vis
des Lagerhauses. Dieses große Bauwerk schuf Hans Lukas nicht alleine, sondern zusammen mit
anderen Baumeistern.
Firma in Betrieb
Die Firma, neben dem Lagerhaus, vor Abriss
Abgerissen wurde auch das Meinhart-Haus an der einfahrt in die Bahnhofstraße, dann Schuster Mayr,
heute unbewohnt.
Meinhart Haus
Allerdings, ein Haus steht heute noch, das gelbe mit den grünen Fensterläden, neben der Volksbank!
Es ist wunderschön mit seinem Garten daneben. Soweit ich mich erinnere, hieß die Besitzerin
Hansi Leitner.
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GRUBER MÜLLER, THALHAM
Mama Gruber - hinten, mit den zwei Kindern ( mit weissen Hemden)
Fährt man auf der Straße von St.Georgen kommend nach Thalham, kann man, wenn man ganz genau schaut,
vor dem Betreuungszentrum auf der rechten Seite ganz versteckt zwischen Obstbäumen einige Gebäude in
warmen Gelb sehen, die aber leider inzwischen von neu erbauten Häusern verdeckt werden.
Das war einst der Gruber Müller.
Das frisch verheiratete und neu zugezogene Ehepaar Gruber kaufte von der Gräfin Kottulinksky die Mühle
mit allen Nebengebäuden. Die junge Familie richtete sich im neuen Domizil ein, Frau Gruber bekam viele Kinder.
Aufgrund der hohen Kindersterblichkeit, erreichten allerdings nur zwei der Kleinen das Erwachsenenalter.
Josef, der Sohn, übernahm später die Mühle und das Sägewerk von den Eltern und führte sie weiter.
Zu diesem Zeitpunkt stand die Mühle fast alleine inmitten der Wiesen und Felder. Damals gab es hier nur
das Dorf Thalham weiter westlich, den Gruber-Müller und den Hammerschmied, sonst keine Gebäude.
Erst um 1938 wurde auf der sogenannten "Insel" zwischen Dürrer Ager und Mühlbach, also in geringer
Entfernung zum Müller-Grund, das RAD - (Reichsarbeitsdienstlager) gebaut.
Dieses Lager wurde im Laufe des Zweiten Weltkrieges zur Flüchtlingsaufnahmestelle umgeformt und
schließlich wegen der steigenden Zahl der Tuberkulosekranken zu einer Lungenheilstätte ausgeweitet.
Zäune trennten die Heilstätte streng von der Umgebung ab, auch um den Sorgen der Anwohner zu
begegnen, die die Lungentuberkulose war sehr gefürchtet.
Zäune rund ums Lager
Ich kann nur von meiner Warte aus berichten, diese Zäune begeliteten uns, da wir in diesem Lager lebten,
viele Jahre lang, ich wusste nie, weshalb die Leute immer etwas Abstand von mir nahmen, wenn ich erwähnte,
aus dem Lager zu kommen.
Im Haus der Familie Gruber mussten alle mitarbeiten, auch die Kinder. Es war Müllern erleubt, Brot zu
backen, was auch in der Gruber-Mühle praktiziert wurde.
Das Gruber Annerl, die Schwester von Josef, hatte das Brot zu den Kunden zu bringen. Sie fuhr mit
einem Leiterwagen, den zwei Hunde zogen, aus.
Josef Gruber heiratete und gründete Ende der 40er Jahre eine Familie, mit ebenfalls zahlreichen
Nachkommen. Einige haben sich im Müllerberuf ausbilden lassen, allerdings übernahm keines der
Kinder die Mühle des Vaters.
Schwester Annerl und ihr späterer Ehemann errichteten auf einem Grundstück in der Nähe der Mühle
ihr Haus, wo sie ihre vier Mädchen aufzogen.
Der Mühlbach wurde bereits am Beginn des Grundstückes von einer kleinen Wehr reguliert. Ein Teil
des Wassers floss zum großen Wasserrad und trieb die Mühle und Säge an, der andere Teil wurde
zum Transport der Holzstämme verwendet.
Annerl auf der Wehrbrücke
Sobald man das Hauptgebäude betrat, umfing einen ein herrlicher Duft nach frischem Backwerk, das
in Regalen im kühlen Vorraum aufbewahrt wurde. Vis-a-vis der Regale gelangte man ins Kontor, einen
durch Wände mit Glasfenstern abgeteilten Raum, wo die Büroarbeit erledigt wurde.
Zum Haus gehörte auch einiges an Personal, Knechte, Mägde, die im und um das große Anwesen
oder in der Mühle und Säge arbeiteten.
Bis in die 1970er Jahre wurde in dieser Mühle Holz gesägt und Korn gemahlen, dann legte man sie still.
Allerdings ist sie fast gänzlich im damaligen Zustand belassen worden.
Nachkommen der Familie Gruber bewohnten um 2010 dieses Haus, was heute damit ist, weiß ich nicht.
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HAIDINGER , SCHNEIDER, THERN
Es war an einem heissen Tag, dem Freitag, 2.Juli 1976 - Mathias Haidinger arbeitete in seiner Schneiderei
im Haus, während seine Frau nebenan der schon betagten Schwiegermutter dabei half, sich für den Tag
herzurichten. Die Frau wollte danach vor dem Kochen noch schnell mit dem Fahrrad zu den Runkeln
(Rüben) aus Feld fahren und dort arbeiten.
Die Tochter, die mit im Haus wohnte, hatte einen Unfall gehabt und lag daher im Bett. Sie sollte in der
Zwischenzeit überlegen, was man gemeinsam zu Mittag kochen wolle.
Auf dem Feld angekommen, hörte die Bäuerin das Signalhorn der Rettung, wie sie meinte, dann bemerkte
sie den Irrtum, es war das der Feuerwehr.
Sie dachte, diese würde die Abfälle von der Schuhfabrik in der
Schottergrube löschen. Unsere damalige, hier ansässige Schuhfabrik Oswald, verbrannte dort am Donnerstag Leder-
reste. Brannten diese am Freitag noch, kam automatisch die Feuerwehr, um zu löschen.
Frau Haidinger arbeitete rasch auf dem Feld weiter, um "was auszurichten" dann fiel ihr auf, dass es zwar
brannte, aber nicht bei der Schuhfabrik, sondern weiter westlich.
Sie richtete sich zusammen und wollte geschwind nach Hause, dabei machte sie sich Gedanken, wo es
passiert sein könnte. Eine der Nachbarinnen war wegen ihres Alters schon etwas hilflos, und da konnte
es leicht sein, dass sie irrtümlich ein Feuer anmachte.
Auf dem Heimweg kam Frau Haidinger ein Bekannter auf dem Motorrad entgegen und rief: "Schnö, bei
eng, bei eng!" (Schnell, bei Euch!)
Sie dachte nur: Ja wie kann denn das sein, ich war doch grad noch daheim und da war nichts gewesen.
Dann sah sie schon das Feuer- das Haus, der neue Stadel, alles brannte lichterloh.
Auch die Rückseite des nachbarlichen Hauses, das ganz nah angebaut war, brannte ab.
Gott sei Dank blies der Ostwind, so blieben auf der Ostseite (zur Straße) sogar die Blumen verschont.
Aber hinter dem Haus erwischte es die Obstbäume und alles, was sonst noch dort stand.
Sogar der Misthaufen brannte!
Ihr erster Gedanke war: Die Schwiegermutter ist noch drinnen!
Man sagte ihr, dass diese schon hinausgebracht worden war und auch das Vieh von den Leuten der
nebenan liegenden Autowerkstätte geretttet worden war.
Was dann folgte, waren natürlich genaue Befragungen, weil man Brandstiftung vermutete.
Alle wurden zu allen möglichen Details ausgequetscht.
Dabei hatte man gerade erst das Haus erneuert, den Schuppen neu dazugebaut, der übrigens samt
dem ganzen Holz für die nächsten Winter verbrannte.
Als ob man nicht genug an Schaden, Verlust und Orientierungslosigkeit erlebt hätte, musste man sich
sofort auch noch mit solchen Dingen auseinadersetzen.
Bis heute hat man die Ursache des Feuers nicht feststellen können.
Auf das bestehende Resthaus wurde ein provisorisches Dach gelegt, alles mit Plastikplanen
abgedichtet. Danach begann es 14 Tage lang zu regnen, das Wasser rann überall hinein.
Aber die Familie Haidinger hielt durch und wohnte weiter in dem Haus, auch das Vieh konnte vorläufig
im ehemaligen Stall bleiben.
Baumeister Manfred Schönleitner setzte sich sofort dafür ein, dass ein neues Haus gebaut wurde.
Er fand auch einen passenden Grund, ungefähr 100 Meter weiter weg von der Straße entfernt,
Richtung Kalvarienberg.
Es war nicht einmal nötig, die darauf stehenden Obstbäume zu fällen.
So konnte die Familie Haidinger bereits im Oktober ins neue Haus einziehen. Ein tüchtiger Maurer
war am Bau, die Fliesenleger, Ofenbauer, alle arbeiteten so rasch es nur ging, um der Familie
zu helfen. Es musste halt während des Winters sehr viel geheizt werden, damit kein Schimmel im
Inneren entstehen würde.
Schneider Mathias Haidinger konnte sich zunächst nicht recht mit dem neuen Haus anfreunden.
Doch die Schwiegermutter freute sich, weil es dort gegenüber dem alten Gebäude viel Komfort bot.
Alle Nachbarn und Bekannten halfen vorbildlich zusammen, sie klaubten die Kartoffeln von den
Feldern und schafften es, die ganze Ernte einzubringen.
Nachdem das neue Gebäude fertig war, wurde das alte ganz abgerissen. Ein Teil des Grundstückes
wurde vom Besitzer einer Autowerkstatt gekauft, am anderen Teil baute man eine schmale Straße
hin zum neuen Wohnhaus und pflanzte einige Obstbäume an.
Nun steht das jetzige Wohnhaus etwas abseits inmitten von Obstbäumen, mit freiem Blick auf die
Kalvarienbergkirche.
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